Dienstag, 5. Mai 2015

Kreischalarm im Schrebergarten

Also gut, ich gebe es gleich zu: die Überschrift entspricht nicht vollständig den Tatsachen. Aber wahrscheinlich schlägt einfach das Aufsatz-Üben langsam ein bißchen durch. Der kleine Krautklabauter und ich, oder vielleicht auch nur ich, haben gelernt, dass die Überschrift den Leser neugierig machen und nicht zuviel vom Inhalt verraten soll. Ich finde, das ist mir hier ganz gut gelungen.

Aber zurück zu den Tatsachen. Also ich hätte gekrischen gekreischt wenn ich eine Schlange entdeckt hätte und nicht der Nachwuchs. Ich bin relativ leidenschaftslos was Mäuse und Spinnen angeht. Bei Schlangen hört bei mir der Spaß allerdings auf. Ja, ich weiß, dass Schlangen in Deutschland kein Grund für Panikattacken sind weil harmlos. Ich weiß, dass sie unter Naturschutz stehen und dass ich dankbar sein sollte wenn sich eine bei mir im Garten aufhält, weil es für eine intakte Natur spricht. Alles schön und gut. Aber ich mochte Schlangen noch nie besonders und dieser eine Trip nach Australien wo wir jeden Tag mindestens ein, manchmal sogar bis zu fünf Exemplare gesehen haben, hat meine Leidenschaft nicht gerade befeuert. Vielleicht - aber nur sehr vielleicht - könnte ich mich mit den Viechern anfreunden, wenn ihre Hauptnahrung aus Nacktschnecken bestünde.



Das Kind dagegen hat keinerlei Berührungsängste. Ganz im Gegenteil. Schlange rangiert beim Haustierwunsch abwechselnd auf Platz 2 oder 3. In Urlauben gehören Museums- oder Parkbesuche mit kreuchendem Getier angrapschen immer zu seinen Highlights. Aber als er gestern das Unkraut in den geschlossenen Komposter werfen wollte, war er doch ziemlich perplex eine Schlange dort drin zu sehen. Gott sei Dank, denn sonst hätte er wahrscheinlich gleich zugefasst. So konnte die Schlange sich in tieferen Kompostschichten verkriechen bevor ihr jemand zu nahe kam und bevor ich - sehr widerwillig - ankam. Mangels Schnelligkeit daher auch kein Foto.

Wir vermuten, dass sich eine Ringelnatter unseren Kompost als Eigentumswohnung in verkehrsgünstiger Lage (direkt neben dem S-Bahngleis) ausgesucht hat. Eine solche Ringelnatter hatten wir auch schon in unserem Gartenteich. Gott sei Dank ist die inzwischen umgezogen. Leider erst nachdem sie offenbar alle unsere Teichmolche vertilgt hat.

Bis ich den Kompost umsetzen muss, muss ich mir also eine Schlangen-Vermeidungs-Strategie ausdenken. Die beste Strategie, dir mir im Moment einfällt, ist, jemand anderen den Kompost umsetzen zu lassen ;-)

Der kleine Krautgärtner (eigentlich müsste ich ihn jetzt in Schrebergärtner umtaufen) findet also seit gestern den Schrebergarten noch viel toller als eh schon und ich kann diese Tatsache gnadenlos für Lernzwecke missbrauchen gebrauchen. Erst Hausaufgaben und Latein/Deutsch/Mathe/sonstwas-lernen und dann ab in den Schrebergarten.

Sehr praktisch außerdem wenn neben einer Pflanzfläche noch andere Sachen zum Erforschen da sind. Während ich die bereits vorhandenen Hochbeete vom Unkraut befreie, mit neuer Erde und Kompost auffülle und nach und nach bepflanze, ist mein Spross damit beschäftigt, den Geräteschuppen und das Gartenhaus zu erforschen.

Ich habe in den ersten paar Tagen als Schrebergärtner bereits festgestellt, dass es ein Genuss ist, Hochbeete zu bepflanzen. Kein anstrengendes Umgraben (das habe ich im Krautgarten noch zur Hälfte vor mir), keine "nachwachsenden" Steine und auch das Unkrautzupfen geht viel leichter. Für dieses Jahr werde ich die Hochbeete behalten, die im Schrebergarten waren. Nach dem Ende der Pflanzsaison möchte ich sie sukzessive durch neue Hochbeete ersetzen da die Holzumrandung schon ziemliche Verschleißerscheinungen zeigt. Am geeignetsten finde ich bisher Hochbeete aus Gabionen bzw. Gitterboxen mit Kokosmattenumrandung. Der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen und vor allem auch die Schlepperei vor dem Aufbau. Ich befürchte nämlich, dass eine Anlieferung per Güterzug ausscheidet obwohl der nur vor dem Gartentürl kurz halten müsste. Von der nächstgelegenen Parkmöglichkeit ist es dagegen ein ganzes Stück und selbst mit Schubkarren werden einem da die Arme lang wenn man ein paar hundert Kilo Steine oder anderes Material herbeischaffen muss.

Letzte Woche habe ich ins erste Hochbeet die restlichen Saatgutbänder mit Radieschen, Möhren und Roten Beten gelegt. Außerdem habe ich die zweite Charge vorgezogenen Salat ausgewildert. Bei dem naßkalten Wetter am Wochenende hatte ich schon schlimmste Befürchtungen wie das den Pflanzen wohl bekommen würde. Aber gestern haben die Salatpflänzchen einen ganz guten Eindruck gemacht und bei den Bändern haben auch schon erste Triebe rausgespitzt. Dummerweise haben wir in der Eile vergessen zu beschriften was wir wo ausgesät haben. Ich lerns wohl nie....


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