Mittwoch, 23. Dezember 2015

Wenn jemand den Stöpsel zieht

... dann läuft das Wasser aus. So geschehen vor einigen Wochen am Sylvensteinspeicher. Da hat das Wasserwirtschaftsamt im wahrsten Sinne des Wortes den Stöpsel gezogen.











Der Sylvensteinspeicher ist ein Stausee südlich von Lenggries, der in den 50er-Jahren zum Hochwasserschutz an einer Engstelle im oberen Isartal gebaut wurde. Eingebettet zwischen Vorkarwendel und Karwendel ist der Bergsee mit seiner traumhaften Kulisse ein beliebtes Ausflugsziel.



Während sonst eher die Touristen kommen zieht es im Moment hauptsächlich Menschen(massen) aus der Region zum See, der grad keiner ist. Denn um einen neuen Revisionsverschluss am Grundablass des Stausees anbringen zu können, wurde der Wasserstand über sechs Wochen hinweg um insgesamt 15 Meter abgesenkt.

Beim Bau des Stausees wurde damals das Dorf Fall zwangsumgesiedelt und geflutet. Bis heute ranken sich Sagen um den angeblich versunkenen Kirchturm von Fall. Manche Leute wollen sogar um Mitternacht die Kirchturmglocken gehört haben.

Im Moment mutet der See wie eine surreale Mondlandschaft an und besonders im Morgen- oder Abendlicht kann man eine ganz unwirkliche Stimmung erleben. Teilweise sind die Grundmauern einzelner Häuser zutage getreten. Das Kirchturmgerücht ist allerdings endgültig widerlegt, denn es sind nur die Grundmauern zu sehen. Wen wundert es? Die Kirche wurde bereits vor Baubeginn gesprengt.

Den Anblick des leeren Sees erlebt man ganz selten. Bereits einmal im Jahr 1962 wurde der See bewusst soweit abgesenkt, dass das alte Dorf Fall zum Vorschein kam. 1999 hatte man aufgrund des niedrigen Wasserstandes noch einmal die Gelegenheit, teilweise Überreste zu sehen. Wer weiß wann man den Seegrund wieder einmal zu sehen bekommt und so haben wir das schöne Wetter genutzt und uns vor Ort auch einmal umgesehen.

Die Unkundigen fahren von Lenggries aus bis zur Staumauer und sind etwas enttäuscht. Kein Wunder. Von dort sieht man ein bisserl Stausee mit wenig Wasser. Eher unspektakulär.
Bis zur Brücke über den See kurz vor dem neuen Ort Fall muss man schon fahren. Warmduscher/Weicheier bleiben dann auf der Brücke stehen und schauen auf die Leute unten, die sich sehr komisch bewegen.

Der Kleinschreber und ich haben sich natürlich ins Getümmel unten im See gestürzt. Der Dreckzustand uns entgegenkommender Schaulustiger konnte uns keinesfalls davon abschrecken. Kaum hatten wir die steile Seekante hinter uns gelassen, hat sich auch die seltsame Fortbewegung erklärt. Mit jedem Schritt hat sich nämlich die Batzschicht unter unseren Schuhen weiter aufgebaut und man konnte nur noch im Storchenschritt weiterkommen. Extrem tröstlich fand ich, dass das Einsinken völlig gewichtsunabhängig passierte :-) Aber ich kann mir jetzt ungefähr vorstellen wie man sich mit Betonschuhen fühlt kurz bevor man im nächstbesten Hafenbecken versenkt wird.

Auch wenn wir bei der Hinfahrt an diversen gut besuchten Freiluftcafes vorbeigefahren sind wo die Besucher bei 14°C die Sonne genossen haben, unten im See waren tatsächlich die Pfützen gefroren und über den nicht ganz frischen Schuhabdrücken hatte sich jeweils eine dünne Eisschicht gebildet.






Lustige Sachen finden sich auch am Rand des Sees. Der Besitzer des Bootes dürfte selbiges im Moment ganz schön weit tragen.


Ob die Schuhe jemals wieder sauber werden, steht noch nicht fest. Im Moment trocknen sie langsam vor sich hin und es bilden sich schon einzelne Risse im Schlamm. Ein bisschen Abmeisseln kann vor dem endgültigen Putzvorgang sicher nicht schaden.

Allen Leuten, die Berg-/Wanderschuhe unter dem Christbaum finden, empfehle ich einen Ausflug in den Schlamm als ultimativen Härtetest für die Schuhe. Unsere haben superdicht gehalten und dreckig (halt nicht ganz so) werden sie auch bei einer normalen Bergtour.


Aber auch ohne Schuhtest rentiert sich die Fahrt - besonders ganz früh /spät.

Kommentare:

  1. Hallo Angela,
    so etwas machen sie mit unseren Stauteichen hier in der Stadt auch gern, um den Schlamm auszubaggern. Das müffelt dann immer ziemlich und sieht nicht so idyllisch aus wie bei dir.
    Ihr hattet also auch gesammelte Sushi-Fischchen? Toll, ich bin nicht allein. ;-)
    Ich wünsche dir ein tolles, erfolgreiches 2016!
    VG
    Elke

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    1. Liebe Elke,
      es hat erstaunlich wenig gemüffelt - nur ein bißchen gemodert. Erst dachte ich, es gäbe dort vielleicht keine Fische mit entsprechendem Müffelpotential, wurde aber eines Besseren belehrt. Man soll super auf Hecht fischen können. Das werden der Kleinschreber und ich dann nächstes Jahr testen, sofern ich diese Fischereiprüfung (wider Erwarten) tatsächlich schaffe.
      Bei den Sushi-Fischchen liegt die Betonung ja leider auf "hatten"....
      Herzliche Grüße, Angela

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