Dienstag, 28. April 2015

Der Inbegriff des Spießbürgertums

Ein mit der Nagelschere gepflegter Rasen, mit dem Lineal ausgerichtete Blumenbeete und mittendrin der obligatorische Gartenzwerg. Dazu links und rechts pedantische Rentnerpaare, die ihre Nachbarn sofort beim Vorstand denunzieren wenn ein Gänseblümchen in der Wiese wächst...

Das war wohl lange Jahre die Vorstellung der Allgemeinheit über den gemeinen Schrebergärtner. Gott sei Dank hat sich im Zuge des Urban Gardening Trends auch dieses Image radikal geändert. Denn auch wenn ich schon langsam anfange, die Nagelschere zu schleifen, verwahre ich mich gegen die Unterstellung spießig zu sein :-)


Der aufmerksame Leser ahnt es bereits. Jawoll!!! Ich werde ab Mai einen Schrebergarten bewirtschaften - juhu! Nicht nur der kleine Krautgärtner ist schon ganz wuschig und würde am liebsten das Gartencenter und den angrenzenden Baumarkt noch dazu leerkaufen. Der Schrebergarten bietet ja weit mehr Möglichkeiten zum Geld ausgeben als so ein Krautgarten (hier hatten wir auch schon Kollateralschäden - aber dazu gibt es mal einen eigenen Post). Im Kleingarten gibt es eine Laube, die man einrichten und dekorieren kann, Beete, die bepflanzt werden wollen und auch die Möglichkeit, Obstbäume und -sträucher zu setzen.

Dafür habe ich natürlich den Luxus Wasser direkt aus dem Wasserhahn zu bekommen wenn die drei Regenwassertonnen leer sein sollten. Ich kann mich mit einer Tasse Kaffee auf die Terrasse setzen und mein Tagwerk betrachten oder mich gleich auf die Hollywoodschaukel begeben und nur aufs Gemüse schauen.

Apropos Krautgarten: die komplette, mühselige Pflanzplanung ist jetzt natürlich obsolet. Nachdem der Schrebergarten so nah liegt, dass es sich fast gar nicht rentiert das Radl für den Weg dorthin rauszuholen, kommen natürlich alle Pflanzen, die intensivere Pflege brauchen (Salat, Tomaten etc.) dorthin. Zusätzlich zu den Zwiebeln, Knoblauch, Dicken Bohnen und Kartoffeln werden auf der Krautgartenparzelle wohl noch die Erbsen, Feuerbohnen und der ein oder andere Kürbis landen.

Der Schrebergarten ist auch der Grund warum ich so gar nicht mehr zum Bloggen gekommen bin. Merke: je ruhiger mein Blog, desto turbulenter das Leben im Hintergrund!

Also erst einmal komplette Neuplanung für zwei Gärten. Dann reichen natürlich die am Fensterbrett vorgezogenen Samen vorne und hinten nicht mehr. Hier muss für Nachschub gesorgt werden.Der kleine Krautgärtner möchte Beeren zum Naschen und und und ...


Am Schrebergarten selbst ist Einiges zu tun. Das Dach der Laube muß spätestens nächstes Jahr erneuert werden. Zur Vorzucht würde ich gerne ein kleines Gewächshaus aufstellen. Die vorhandenen Hochbeete müssen ersetzt werden und auf lange Frist möchte ich aus der Rasenfläche einen hübschen Bauerngarten machen.

Nicht vergessen dürfen wir natürlich den Zeitaufwand für das Zweitabitur. Eine lateinische Übersetzung für Schrebergarten habe ich noch nicht gefunden. Aber der Konjunktiv Imperfekt läßt sich doch prima üben: ich würde schrebern, ich schreberte, ich würde geschrebert werden - oder so ähnlich. Und wenn wir schon bei sprachlichen Feinheiten sind: "verschroben" kommt nicht von schrebern sondern von verschrauben - damit mir hier gar nicht erst irgendwelche Missverständnisse aufkommen.

Langsam wird mir allerdings angst und bange wenn ich mir die rasante Entwicklung meiner Gärtnerkarriere so vor Augen führe. Letztes Jahr im April völlig unverhofft ein Krautgarten. Dann ein Jahr später der Schrebergarten. Wenn ich bedenke, dass ich dereinst beim Antrag für den Kleingarten auch "Ackerfläche" angekreuzt habe, kann ich mich wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres schon einmal nach günstigen landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen umschauen.

Für zwischenzeitliches und künftiges Nicht-Gemurmel bitte ich um Verständnis. Wie hieß es doch schon bei  einer meiner Lieblingsfernsehserien als Kind: Heute ist nicht alle Tage; ich komm wieder, keine Frage!

Kommentare:

  1. Hab grad deinen Blog entdeckt, sehr erfrischende Schreibweise, gefällt mir sehr gut bei dir!
    Nun bin ich natürlich auch neugierig auf deinen neuen Schrebergarten und was du aus ihm machen wirst im Laufe der Zeit. Gehe es aber nicht gar so rasant an und schau erst mal, was schon dort wächst, wie sich Schatten und Sonne im Tageslauf verteilen und genieße auch ein wenig das neue Spießerleben ;)
    Liebe Grüße, Margit

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    1. Liebe Margit,
      herzlichen Dank fürs Kompliment.
      Habe gerade ein paar hundert Liter Erde aus dem Gartencenter geholt und werde jetzt ganz spießig die Beine hochlegen und mit dem kleinen Krautgärtner ein bißchen Fußball schauen :-)
      Viele Grüße Angela

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  2. Hallo Angela ,sehr herzerfrischend geschrieben und ich werde deinen Blog gerne weiterverfolgen.
    Meist sind die Böden in alten Gärten ausgeruht und sehr humusreich.
    Eine wunderbare Vorkultur für neu angelegtes Gartenland sind Kartoffeln;
    beim Umgraben, Pflanzen, Jäten ausbuddeln wird das Land mehrfach bewegt und man kann es gut sauber bekommen.
    Grüße von einer Küchengartenfreundin Frauke

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    1. Liebe Frauke,
      vielen Dank für den Tipp. Die Kartoffeln sind dieses Jahr schon auf dem Feld gelandet. Aber Rom ist auch nicht an einem Tag umgegraben worden (oder so ähnlich) und die nächstjährigen Kartoffeln können dann für mich arbeiten.
      Schönes Titelbild hast Du übrigens. Hochbrücke in Rendsburg, oder? Wir waren in den letzten beiden Sommern u.a. in Breiholz und Rendsburg war immer eines der Radl-Ausflugsziele.
      Viele Grüße Angela

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  3. Kicher - ich wäre erfreut, wenn es nicht mehr spießig wäre. Seit Neuestem besitze ich zwei Gartenzwerge. Bin ich nun auch eine Spießerin?

    Sigrun

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    1. Hallo Sigrun,
      Gartenzwerge sind nicht spießig - ganz einfach aus dem Grund weil wir uns auch welche zulegen wollen :-)
      Viele Grüße Angela

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